Ästhet [“der Wahrnehmende”] der: jmd., der in besonderer Weise auf kultivierte Gepflegtheit, Schönheit, Künstlerisches anspricht, was sich auch in seinem Lebenstil niederschlägt.
So wird dieses Wort zumindest im Fremdwörter-Duden beschrieben.
Bei uns in Franken würde man es etwas lockerer formulieren, etwa: “Der had fei an gouden G´schmack.”

Soweit man kein eingebildeter Snob ist, in dessen Kopf sich selbst der Schall hart tun würde, legt man sich so ein Attribut natürlich nicht selbst zu. Mit anderen Worten: Der Begriff ist nicht auf meinem Mist gewachsen, und er muss auch nicht zutreffen! Mich hat jedoch vor langer Zeit öfters mal mein damaliger Chef so bezeichnet, aufgrund einer makellosen Reihe von äußerst geschmackvollen Arbeiten im Hard- und Softwarebereich, die den Rest der Abteilung in helle Aufregung versetzte. Gut kann ich mich noch an die verzweifelten Gesichter der Kollegen erinnern, und an deren Weinkrämpfe, welche die Hoffnungslosigkeit der Situation dennoch nicht zu mildern vermochten.
All die wunderhübschen Platinenkunstwerke, und die straff strukturierten Programme mit den klaren Kommentarzeilen - ach, es war eine schöne Zeit. Nicht, dass mir das Lob meines Bosses damals etwas bedeutet hätte. Nein, keinesfalls! Schließlich arbeitete ich für Geld, und nicht um gelobt zu werden. Meine Antwort auf die erstickende Stimme meines Vorgesetzten - der immer wieder flüsterte: ”Thomas, du bist ein Ästhet.” - war daher stets gleich: ”Steh auf, und hör auf  meinen Saum zu küssen, ... und nimm dir endlich ein Taschentuch.” O.K., soviel zum Wort Snobismus!

Eigentlich wollte ich Ihnen jedoch die Sache mit dem Ästheten erklären. Jedenfalls, irgendwie wurde der Begriff von den Kollegen aufgeschnappt, und übernommen.
Und da ich zu dieser Zeit gerade in meine erste eigene Wohnung zog, hab´ ich als Jux bei meiner Telefonbeantragung ein “Ästhet” als Berufsbezeichnung auf dem Anmeldeformular mit angegeben. Natürlich dachte ich nicht, dass ich damit durchkommen würde, aber es klappte wunderbar. Seither findet man den Eintrag Ästhet offiziell neben meinem Namen im Telefonbuch, und auch auf CD-ROM´s.

Sicherlich werden Sie nun sagen, damals hieß die Post noch Post, und heute ist für den Kommunikationsbereich die Telekom zuständig, und so ein Eintrag könnte man diesen smarten High-Tech-Speech-Supportern kaum mehr unterjubeln.

Oder etwa doch? Versuchen Sie´s doch einfach mal selbst bei Ihrem nächsten Umzug. Ich freu´mich schon jetzt auf Ihre E-mails zum erfolgreichen Eintrag!

2002: Na also, es klappt ja immer noch.
Gratulation an den Ästheten Jürgen L. aus B.!

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