Sitar

Die Sitar ist ein indisches Instrument - eine Art Langhalslaute.

Das fängt ja schon völlig falsch an, werden Sie nun eventuell sagen.
Dann sind Sie entweder Deutschlehrer oder besitzen das gleiche Standardwerk zur Rechtschreibung wie ich, wo es "der Sitar" heißt.

In anderen Publikationen habe ich dagegen schon häufig "die Sitar" gelesen, was mir besser gefällt. Egal. Fest steht, dass der Name Sitar aus dem persischen Sprachraum stammt, wo der 3-saitige Vorläufer des Instruments Sahtar genannt wurde. (Sah: Drei; Tar: Saite)

Jedoch will ich im Augenblick zum geschichtlichen und sonstigen Hintergrund der Sitar gar nichts schreiben. Dazu gibt es sicherlich viele gute Seiten im Internet.

Hier finden Sie vor allem Folgendes:
  • die erste Testversion einer Sitar-Stimmanleitung.

  • die Dokumentation zur Reparatur eines gebrochenen oder gerissenen Resonanzkörpers (Tumba).

  • sowie auf einer separaten Seite eine Übersicht über die  Komponenten der Sitar . Diese können Sie selbst farbig hervorheben - Internet Explorer vorausgesetzt.

Sitar von hinten, mit Extra-Resonator
Virtuelles Stimmgerät für die Sitar:
Für die Sitar gibt es leider keine universell gültige Stimmung, da diese jeweils vom gespielten Stück, der Raga, abhängt. Neben dem Umstimmen der Melodie- und Resonanzsaiten werden dabei sogar Bünde verschoben.

Mein virtuelles Stimmgerät lässt eine gebräuchliche Standardstimmung erklingen, als kleine Hilfe für den Einstieg beim Stimmen.

(Hinweis: Wer sich beim Stimmen unsicher ist, ob er sich in der richtigen Tonhöhe befindet, sollte zur Sicherheit lieber zu tief stimmen - da man sich schnell um eine Oktave verschätzt. Mit anderen Worten: Auch wenn ich die Stimmanleitung nach bestem Wissen gemacht habe, eine Garantie für gerissene Saiten oder sonstige Defekte an der Sitar kann ich natürlich nicht übernehmen.)
 
 

Sitarreparatur: Tumba gebrochen
Ich habe hier die Reparatur meiner beschädigten Sitar dokumentiert. Um Verwirrungen zu vermeiden: Wenn ich von Tumba, Resonanzkörper, Korpus, Kürbis, Body oder Gourd spreche, ist generell von derselben Sache die Rede. Wer seine Tumba ebenfalls ruiniert hat, findet durch meine "Reparaturanleitung" evtl. Trost, Mut und Anreiz zugleich. Für Fehler darin, oder misslungene eigene Versuche kann ich natürlich keine Haftung übernehmen.

 
Die Vorgeschichte
Vorgeschichte zur Sitarreparatur

Wie es genau passieren konnte, ist mir eigentlich noch heute ein Rätsel: Um eine gerissene Resonanzsaite zu ersetzen, legte ich meine Sitar aufs Bett. Fürs Verdrillen der Saite beschloss ich eine Zange zu holen, da sich die Enden leicht in die Finger pieken. Ich kam etwa sieben Meter weit, bis ich ein unheilvolles "Blob" hinter mir hörte.

Zuerst verfluchte ich mich selbst, da ich mich darauf verlassen hatte, dass die Sitar, die schon mehrere Minuten sicher auf dem flachen Ende des zweiten Resonators ruhte, auch weiterhin brav liegen bleiben würde. Beim Anblick des zerbrochenen und mit Rissen übersäten Resonanzkörpers verfluchte ich danach die erbärmliche Konstruktion. Wieso hatte der Erbauer den Kürbis nicht verstärkt, wenn ein Sitar-Korpus so empfindlich ist?

Klar geworden ist mir nach dem Bruch der Tumba jedoch, wieso Amelia Maciszewski in ihren - sehr zu empfehlenden - Sitar-Videos auf expertVillage und youTube ständig auf dem Boden hockt und der ganze Raum mit Kissen gefüllt zu sein scheint.

Vorgeschichte zur Sitarreparatur - Tumba geöffnet

Nach dem Öffnen der Bruchstelle verfluchte ich schließlich noch die doch vorhandene Verstärkung, da diese unsauber angebracht und zudem halbherzig dimensioniert war.

Nicht halbherzig genug allerdings, um den Weg ins Innere der Sitar nicht total zu blockieren.

 
Verwendete Materialien für die Reparatur
Verwendete Materialien für die Sitarreparatur
  1. Titebond Original Wood Glue (Holzleim)
  2. Titebond Wood Filler (Holzspachtelmasse)
  3. Krepp-Band zum Fixieren der Klebungen
  4. eine alte Plastikkarte zum Verteilen der Spachtelmasse
  5. je ein Blatt Schleifpapier (240er, 600er und 1200er Körnung)
  6. einen kleinen Holzkeil zum Justieren der Klebeflächen
  7. einen alten (defekten) Fahrradschlauch zum Fixieren der Klebungen
  8. eine Klemme zum Fixieren der Klebungen
  9. Verpackungsmaterial zum Polstern der Sitar während der Reparatur
  10. Farbe: hier je eine Spraydose Oxidrot und glänzender Klarlack.
  11. Option: Wer zusätzlich noch einen Haarriss hat, so wie in meinem Fall zwischen Tumba und Decke (dort, wo die Saiten über die zwei Stege der Sitar laufen; s. a. Komponenten der Sitar ), für den wäre auch noch Knochen- oder auch Hautleim, sowie ein Pinsel zum Auftragen nützlich.
  12. ohne Bild: einen Lappen und etwas Wasser
Hinweis: Titebond-Leim und Titebond-Spachtel gibt es nicht im Handel.
Bestellen kann man die Produkte hier:


(Tipp zur Menge: Je 118ml reichen m.E. für etwa fünf Reparaturen.)
 
Vorbereitung der Reparaturarbeiten

Da das Instrument während der Instandsetzung ausschließlich auf der Frontseite liegt, habe ich die vorderen Komponenten vorab mit Dämmmaterial und Kreppband geschützt, um Schäden an den Saitenhalterungen der Chikari-Saiten (roter Pfeil), den Wirbeln und den Stegen zu verhindern.

Apropos Stege, und da man beim Bruch der Tumba als erstes natürlich die Saitenspannung reduzieren möchte:
Wenn man es dabei übertreibt, beginnen die Stege zu rutschen. Vor dem Entspannen, oder gar Entfernen der Saiten, sollte man sich die Positionen mit Kreppband auf der Decke markieren.

Bei Sitarreparatur vorab unbedingt schützen: Chikari-Pins Bei Sitarreparatur vorab unbedingt schützen: Chikari-Pins Bei Sitarreparatur vorab unbedingt schützen: Wirbel, Pegs, Khunti Bei Sitarreparatur vorab unbedingt schützen: Stege, Bridges, Jawari
 
Sitarreparatur - Klebearbeiten

Ich habe lange Zeit darüber gegrübelt an welcher Stelle ich mit der Reparatur beginne, da beim Bruch zwischen Tumba und Decke ein Haarriss (rote Pfeile) entstanden war. Keinesfalls wollte ich nämlich, dass am Schluss beim Spannen der Saiten wieder alles in die Brüche geht.

Daher habe ich mich für die vernünftigste Lösung entschieden und bin mit der Sitar zu meinem alten Kumpel Ulrich Sommerrock gefahren - einem exzellenten Lautenisten und versierten Restaurateur für Lauten und Gitarren.

Sitarreparatur - Klebearbeiten 1

"Die Reparatur startet am Endpunkt des Hauptrisses und erfolgt bei einem langen Riss in mehreren Stufen", meinte Uli, während er auch schon Titebond-Leim auftrug.

Sitarreparatur - Klebearbeiten 2

Mit einem Keil (roter Pfeil) brachte er den verspannten Kürbis an der Klebestelle auf Deckungsgleichheit...

Sitarreparatur - Klebearbeiten

... und fixierte die Klebestelle mit einem Fahrradschlauch. Danach wurde überschüssiger Kleber mit einem nassen Lappen entfernt.

Nach dem Trocknen des Leims wurde der Keil neu angepasst und die letzten drei Schritte am nächsten Reparaturabschnitt wiederholt:
Sitarreparatur - Klebearbeiten 3 Sitarreparatur - Klebearbeiten 4 Sitarreparatur - Klebearbeiten 5
Sitarreparatur - Klebearbeiten 6

Der Haarriss wurde von Uli mit Knochenleim - ein dünnflüssiger, erwärmter Leim, der sich beim Auftragen mit dem Pinsel in den Haarriss zieht - behandelt.

Nach dem Trocknen des Titebond-Leims wurden das Ende des Hauptrisses sowie zwei weitere Sprünge verarztet. Eine Klemme und ein in der Länge passend zurechtgesägtes Klötzchen sorgten dabei für die richtige Position. Krepp-Band zum Fixieren drauf - trocknen lassen.
Sitarreparatur - Klebearbeiten 7 Sitarreparatur - Klebearbeiten 8 Sitarreparatur - Klebearbeiten 9
Abschluss der Klebearbeiten: Endlich war die Verstärkung im Korpus zu etwas gut. Die beiden verbleibenden Bruchstücke konnten so nicht ins Innere fallen. Also: kleine Griffe aus Krepp-Band an die Teile gepappt, alle Klebeflächen mit Titebond benetzt, eingepasst und alles mit Krepp-Band fixiert.
Sitarreparatur - Klebearbeiten 10 Sitarreparatur - Klebearbeiten 11 Sitarreparatur - Klebearbeiten 12 Sitarreparatur - Klebearbeiten 13

Danke, Uli!

Sitarreparatur - Schleifen und Spachteln
Vor dem Auftrag der Titebond-Holzspachtelmasse habe ich die Oberfläche mit einem Schleifpapier mit 240er Körnung angeraut. Den Titebond-Spachtel habe ich danach mit einer alten Plastikkarte aufgetragen - an schlecht zugänglichen Stellen zum Teil auch direkt mit den Fingern.
Sitarreparatur - Schleifen und Spachteln 1
Sitarreparatur - Schleifen und Spachteln 2 Sitarreparatur - Schleifen und Spachteln 3
Nach dem Trocknen der Spachtelmasse: Schmirgeln mit einer 600er Körnung bis eine einheitliche Oberfläche entsteht. Anschließend habe ich mit einer 1200er Körnung die gesamte Tumba (den verzierten Rand zur Decke hin, sowie Holz-Deko natürlich ausgenommen!) für die Lackierung leicht angeraut, und den Schleifstaub am Ende mit einem nassen Lappen entfernt.
Sitarreparatur - Schleifen und Spachteln 4 Sitarreparatur - Schleifen und Spachteln 5 Sitarreparatur - Schleifen und Spachteln 6
Sitarreparatur - Abkleben fürs Lackieren
Vor dem Lackieren habe ich zuerst den Hals der Sitar mit Zeitungspapier und Krepp-Band abgeklebt (alles doppellagig). Wichtig beim weiteren Abkleben ist, dass man das Krepp-Band immer schön auf Zug hält, damit keine "Lücken" entstehen. Nach den Holzdekorationen der Tumba habe ich die Saitenhalterung (roter Pfeil) und den Zierrand (grüne Pfeile) abgeklebt.
Sitarreparatur - Abkleben fürs Lackieren 1 Sitarreparatur - Abkleben fürs Lackieren 2 Sitarreparatur - Abkleben fürs Lackieren 3
Sitarreparatur - Lackieren
In Indien, so habe ichs mal wo gelesen - wird die Tumba der Sitar mit etwa 20 Schichten ‘lakh-dana’ lackiert. Das ‘lakh-dana’ könnte ungebleichter Schellack sein - keine Ahnung.
Problem: Schellack ist in Baumärkten zwar erhältlich, aber transparent. Das Risiko, dass man nach vielen Schichten immer noch die Spachtelstellen durchscheinen sieht, war mir zu hoch.

Ich habe mich daher nach Hochglanz-Spraylack der Farbgebung "Oxidrot" umgesehen. Oxidrot schien mir meiner Tumba-Farbe am ehesten zu entsprechen - auch wenn da ein Hauch Gelb fehlt.
Problem: Oxidrot-Hochglanz-Spraylack gibt es scheinbar nicht so leicht in Baumärkten.

Ich habe daher eine oxidrote Grundierung (gefunden in einem Baumarkt, der so ähnlich wie Hrnbch heisst...) und zusätzlichen glänzenden Klarlack verwendet.

Die Grundierung habe ich drei Mal im Abstand von je zwei Stunden aufgesprüht.
Danach: einen Tag trocknen lassen.
Zum Schluss habe ich an zwei Tagen je eine Schicht Klarlack aufgesprüht.
Sitarreparatur - Lackieren 1 Sitarreparatur - Lackieren 2
Sitarreparatur fertig
Was im letzten Bild (wohl durch die nasse Farbe und dem Blitz) noch sehr orange aussah, macht sich im trockenen Zustand und frisch gestimmt gut.
Sitarreparatur abgeschlossen!
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